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| Martensmann |
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Der 11. November, der Tag des Heiligen Martins, war bis in die Neuzeit hinein der Tag, an dem Zinsen, Pachten und Löhne der Dienstboten fällig waren. Und da der Heilige Martin auch als Weinpatron galt, wurden an diesem Tag die ersten Proben des neuen Weines verkostet und die Weinabgaben an Kirchen, Klöster und Grundherren fällig. Das mag für den „Ehrenwerten und Hochweisen Rath der Stadt Lübeck“ einst Anlass gewesen sein, dem Herzog von Mecklenburg immer am Martinstag aus „Pflicht und Schuldigkeit“ wie auch zum Beweis nachbarschaftlicher Freundschaft ein Fass Rotspon überbringen zu lassen. Beim Rotspon handelt es sich um einen in Frankreich angebauten und in Lübeck bis zur Flaschenreife gelagerten Rotwein. Ein erster Bericht über diesen Besuch findet sich auf einem Flugblatt aus dem Jahr 1567, das im Mecklenburgischen Volkskundemuseum in Schwerin-Mueß aufbewahrt wird. Möglicherweise ist der Brauch aber mehr als 250 Jahre älter. Immer jedoch war die Visite in Schwerin mit strengen Ritualen verknüpft, begleitet von kontroversen Reden wie auch Schwelgereien. Genaue Überlieferungen über die Entstehung des Brauchs gibt es nicht. Dem englischen Reisenden Thomas Nugent wurde, wie die Stiftung Mecklenburg in Ratzeburg herausgefunden hat, der Besuch des Martensmanns, der den Rotspon überbrachte, in Schwerin einst damit erklärt, dass die Stadt Lübeck so dem Grafen Heinrich von Mecklenburg (gestorben 1227) für die Wiederherstellung ihrer Freiheit danken wollte. Er hielt nämlich ihren Widersacher, den dänischen König Waldemar II. (1170-1241), gefangen, dessen Macht durch die Schlacht bei Bornhöved 1227, an der Heinrich an der Seite Lübecks teilnahm, endgültig gebrochen wurde. Der Weg führt den Lübecker Boten über Schönberg am 9. November nach Rehna, wo der Martensmann die Nacht in einer Herberge verbringt. Diese Herberge ist über eine lange Zeit das Deutsche Haus gewesen. 1758 erheben die Rehnschen Jungs ihre Forderung nach Nüssen und Geld so hart, dass sie dem Martensmann die Fenster mit Erdklößen und Steinen teilweise einwerfen. Am nächsten Morgen fährt der Martensmann weiter nach Schwerin, wo er am Abend des 10. Novembers eintrifft und dem Herzog am 11. November gegen Mittag das Fass Wein überreicht. Der Martensmann wurde in Schwerin traditionell mit einem reich gedeckten Tisch empfangen. Zum Mahl gehörten der Überlieferung zufolge mindestens „vier Stück holländische, oder gute Eiderstädtische od. auch Dantziger Käse, das Stück von etwann 12 Pfd. schwer; vier Stück Lübsche Strumpf-Bröde, und vier Stück weis Bröde halbe Monde genannt, vier Bunde Rigsche Butter, vier Bunde kleine Bücklinge, a Bund ohngefehr 1 Pfd. schwer, sechzehn Stück Citronen“. Für rund zwei Dutzend Gäste wurden abends sowie zum Frühstück am nächsten Vormittag zwölf Schüsseln unter anderem mit Rindfleisch, Geflügel und Fisch, zwölf Schüsseln mit Torten, Wild, Gänsebraten, Krebsen und Salaten und weitere zwölf Schüsseln mit Mandeln, Honigkuchen, Obst und Nüssen aufgetischt. Der vom Martensmann mitgebrachte Rotspon wurde unter dem Volk verteilt. Den edlen Herren dagegen wurde guter Wein oder Bier eingeschenkt und zwar in so genannten Fleuten. Diese Gläser liefen nach unten spitz zu, hatten aber keinen Fuß, so dass sie auf einen Zug geleert werden mussten. Für den Herzog von Mecklenburg und den Rat der Stadt Lübeck hatte das arge Folgen, wie es in einem Bericht aus jenen Tagen heißt. Im Speisesaal seien extra Betten aufgestellt worden, weil „bei dem Martensschmause stark gesoffen“ werde. Der Martensmann durfte diese Liegestatt allerdings – „obgleich er noch so sehr betrunken wäre“ - nicht benutzen. Der Martensmannbesuch wurde 1817 durch eine Vereinbarung des mecklenburgischen Hofes mit dem Lübecker Rat eingestellt. 1991 wurde der Brauch auf Anregung der Stiftung Mecklenburg in Ratzeburg und mit Unterstützung des damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm nach 170-jähriger Pause wiederbelebt. Seit zehn Jahren wird der Martensschmaus als Benefizveranstaltung genutzt. Die Ankunft des Lübecker Boten wird sowohl in Schwerin als auch in Rehna alljährlich als Volksfest begangen. Das kalte Novemberwetter hält dabei z.B. in Rhena keinen davon ab, den offenen "Caleschwaagen" des Martensmannes am Gletzower Tor gegen 17.00 Uhr zu empfangen und dann bis in die Nacht hinein gemeinsam den Wein zu verkosten, wenn das Fass nicht wie 1999 plötzlich von der Kutsche verschwindet... |
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