5.000 x Vorsicht Leif – Das Beste vom Besten … ausgewählt von den Fans demnächst auf CD und USB-Stick.

Schwerin (nordPR) – Nur noch wenige Tage, dann feiert Leif Tennemann ein wirklich einmaliges Jubiläum. Dann ist die 5000. Folge seiner Telefon-Commedy „Vorsicht Leif“ auf NDR 1 Radio MV zu hören.
Der Mediendienst nordPR sprach mit dem Comedian, Journalisten und Verleger über diese einmalige Erfolgsgeschichte.

nordPR: 5.000 Folgen „Vorsicht Leif“. Das ist in Deutschland unerreicht. Und da stellt sich gleich die erste wirklich naheliegende Frage: Man man Sie als Spaßanrufer nach so langer Zeit nicht doch erkennen?

Leif Tennemann: Tja, das fragen auch viele Hörer und Besucher meiner Bühnenshows. Zumal wir fast ausnahmslos in Mecklenburg-Vorpommern anrufen. Aber bitte vergessen Sie nicht, dass die Angerufenen meine Stimme zumeist aus ihrem Stereo-Lautsprecher kennen. Bei den Anrufen selbst ist dann ja auch immer noch ein Telefon, ein technisches Gerät, dazwischen.
Wichtig ist aber immer auch die Telefon-Idee. Wenn die stimmig ist, wird’s noch schwieriger.Naja und neben der Idee bringe ich ja durchaus auch noch eine gewisse schauspielerische Fähigkeit mit, vom Dialekt bis zur Darstellung einer Figur. Schließlich wollte ich ja auch mal Schauspiel studieren … und hinzu kommt ja auch noch, dass die Angerufenen nicht mit dem Anruf rechnen. Da die Telefonate immer aufgezeichnet werden, gibt es einen gewissen Überraschungseffekt.

nordPR: Die „Vorsicht Leif“ –Telefonate werden tatsächlich immer vorher aufgezeichnet?
Leif Tennemann: Ja, das machen wir aus juristischen Gründen, da wir hinterher immer fragen müssen, ob wir den Telefonstreich senden dürfen.
nordPR: Und wie hoch ist die Rate der Ablehnung?
Leif Tennemann:  Etwa nur zwei Prozent. Ein absoluter Spitzenwert, der zeigt, dass die Hereingefallenen die Telefonspäße nicht als ehrabschneidenden Angriff verstehen, sondern, dass wir miteinander  lachen können. In einer Untersuchung vor einigen Jahren wurden Telefon-Commedys verschiedenster Sender aus ganz Deutschland getestet. Die Testpersonen kamen aus dem gesamten Bundesgebiet. Bei unseren Telefonstreichen von NDR 1 Radio MV bekamen wir so gute Ergebnisse, dass die Tester an Fehler glaubten. Allerdings in ihren Begründungen waren sich die Testpersonen einig. Sie fanden gut, dass wir bei „Vorsicht Leif“ stets rechtzeitig aufhören.

nordPR: Und woher kommen nun die Ideen für die „Vorsicht Leif“-Folgen?
Leif Tennemann: Eine ganze Menge entsteht in meinem Kopf. Meine Tochter meinte einmal: „Papa, irgendetwas in deinem Gehirn biegt falsch ab. Ich sage zuweilen scherzhaft: Wenn mir nichts mehr einfällt, muß ich arbeiten gehen. Natürlich kommen auch Anregungen aus dem Team. 

nordPR: Und die Hörerinnen und Hörer haben auch einige Ideen?
Leif Tennemann: Ja. Da kommt schon einiges zusammen. Neulich rief eine Frau an und erzählte mir, dass ihr Mann nach einer Hüft-OP gerade aus der Klinik gekommen sei.  Ich solle doch mal anrufen, dass die Nägel rostig seien und wieder heraus müssten.

nordPR: Das ist jetzt nicht wirklich wahr?!
Leif Tennemann: Doch. Humor ist unterschiedlich. Jeder lacht über etwas anderes. Das mit den Nägeln haben wir natürlich nicht gemacht. Da haben wir uns etwas anderes ausgedacht.

nordPR: Seit gut 23 Jahren rufen Sie bei VORSICHT LEIF Leute im Radio an, um sie reinzulegen? Macht Ihnen das immer noch wirklich Spaß? Oder ist es vielleicht doch eher einfach nur lustiger Broterwerb, weil Sie vielleicht etwas anderes gar nicht wirklich können oder dürfen? Müssen Sie sich manchmal sogar ans Telefon schleppen, um Ihren Job zu machen?
Leif Tennemann:(Lacht laut auf) … Nee ganz gewiss nicht. Also, das hat mich wirklich noch keiner gefragt. Ich mache es auch nach all den Jahren und gut  5.000 gesendeten Folgen immer noch richtig gern; habe sehr viel Spaß dabei. Obwohl ich es, zugegeben, am Anfang gar nicht wollte. Ich wurde fast ein wenig überredet.

nordPR: Überredet? Von wem?
Leif Tennemann: Die Idee für dieses Comedy-Format hatte seinerzeit der damals neue NDR 1 Radio MV-Hörfunkchef Joachim Böskens. Übrigens gegen massiven Widerstand im eigenen Radiohaus.
Joachim Böskens, ein absoluter Radio-Profi, lies sich nicht beirren und fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, so ein „verrücktes Telefon“ für unser Programm zu machen? Ich weiß noch, wie ich zögerte. Doch er sagte: „Tennemann, du kannst das! Mach‘ es und mach‘ es vor allem auf deine Weise hier in und für uns in Mecklenburg-Vorpommern.“
Tja. Und seitdem mache ich VORSICHT LEIF wirklich auf meine Weise. Heißt für mich, Telefonverlade im Radio ja, aber nicht um jeden Preis. Ich möchte, dass man am Ende miteinander lacht … und das funktionierte und funktioniert richtig gut, wie die Resonanz der Hörer im Radio sowie in den Bühnenshows immer wieder zeigt.

nordPR: Sie hatten vorhin erzählt, dass Sie u.a. Schauspiel studieren wollten. Es heißt auch, Sie hätten ihr erstes Abitur geschmissen und sind sogar mit einem Zirkus mitgereist?
Leif Tennemann: Also meine Großmutter Gertrud, so ist es überliefert, die sagte als ich so um die vier Jahre alt war: „So wie der plappert, der wird mal Bürgermeister, Schauspieler oder Reporter.“ Da lag sie ja gar nicht so falsch.
Ich habe schon im Kindergarten in Sassnitz auf der Insel Rügen den Erzieherinnen reichlich Erholungsmomente gebracht. Stundenlang unterhielt ich während der Beschäftigungszeiten die anderen Kinder zum Beispiel mit der aktuellen Radio-Hitparade, ich habe moderiert und textsicher alle Titel vorgesungen … das soll streckenweise zum Schießen komisch gewesen sein.
Überhaupt, vorlesen, rezitieren, etwas darstellen, das war immer mein Ding. Oder sich etwas ausdenken mit schier grenzenloser Phantasie – das kann ich heute noch gut.

nordPR: Doch das brachte Ihnen damals nicht nur Freude.
Leif Tennemann: In der elften Klasse in Bergen auf Rügen war ich offiziell knapp die Hälfte des Schuljahres krank. Die Entschuldigungszettel hatte ich damals regelmäßig selbst verfasst. Mit zwei dicken Medizinbüchern zu Hause habe ich mir eine Krankengeschichte ausgedacht, die abenteuerlich war. Als meine Mutter unerwartet zu einem Elternabend erschien, empfing sie meine Klassenlehrerin mit den Worten: „Frau Tennemann, die chronische Erkrankung Ihres Sohnes tut mir wirklich leid. Hoffentlich schlägt die Kur jetzt an?“ Ich war natürlich kerngesund und meine völlig ahnungslose Mutter war fassungslos. Fortan durfte ich nur noch mit amtsärztlichem Attest der Schule fernbleiben.
Den Vogel schoss ich dann zu den Abiturprüfungen ab. Da gab ich am Ende der schriftlichen Mathe-Prüfung leere Blätter zurück. Denn während der Prüfungzeit selbst hatte ich keine einzige Aufgabe gelöst, sondern eine Kurzgeschichte geschrieben … Auf jeden Fall hatte ich die Prüfung damit nicht bestanden.

nordPR: Und dann kam das Radio?
Leif Tennemann: Von wegen. Ich habe dann erstmal mit fast 19 Jahren eine Lehre als Baufacharbeiter in Greifswald begonnen. Da bin ich aus dem „rosaroten Penne-Himmel“ auf die Erde gekommen und habe Arbeiten gelernt! Davon zehre ich heute noch … Während meiner Zeit auf dem Bau habe ich übrigens mein Abitur auf der Abendschule nachgeholt mit gelegentlichem Einschlafen im Unterricht – schließlich war ich Betonbauer im Dreischicht-System. Und am Wochenende, wenn es passte, auch noch fleißiger Schwarzarbeiter.
In dieser Zeit habe ich vieles gemacht. Natürlich auf dem Bau gearbeitet, Aber auch viel geschrieben. Prosa-Texte, Hörspiele und Gedichte. Ich habe Kabarett gespielt, Theater-Kulissen geschoben. Ich bin sogar mit einem Wander-Zirkus für einige Wochen als Zeltarbeiter mitgereist – ein harter Job – aber herrlich!

nordPR: So, aber nun kam das Radio mit den Telefonspäßen?
Leif Tennemann: Immer noch nicht. Ich hatte mich nebenbei zum Vorsprechen an der Schauspielschule beworben und ebenfalls als Sprecher beim Radio. Der Rundfunk lehnte mich übrigens beim ersten Mal ab mit der Begründung, dass meine Stimme völlig uninteressant sei. Zwischenzeitlich holte mich die NVA zum Grundwehrdienst. Und dann ging plötzlich doch alles relativ schnell und im November 1985 stieg ich als Redakteur bei der Radio DDR FERIENWELLE in Rostock ein. Da habe ich fast alles ausprobieren können, war Redakteur und Moderator – das war meine Radioschule!
Später habe ich dann Journalistik an der Karl-Marx-Universität in Leipzig studiert. Eine wirklich sehr gute Ausbildung in jeder Beziehung!
Nach dem Ende der DDR, in der so genannten Wendezeit, wurde ich dann Redaktionsleiter „Aktuelle Politik“ bei Radio MV in Rostock.
Da gab es dann aber auch immer wieder schon Ausflüge in die Unterhaltung. An meine abendlichen Disco-Sendungen auf der Rostocker Ferienwelle erinnere ich mich heute noch gern.
Als aus Radio MV dann der NDR wurde, übernahm man auch Leif Tennemann als Redakteur. Und irgendwann fragte man mich, ob ich nicht irgendetwas Unterhaltsames am Sonnabend-Vormittag machen wolle. So entstand die Sendung LEICHTE BRISE. Spiel, Spaß, Prominente gemixt mit meinem relativ lockeres Mundwerk … das war genau nach meinem Geschmack. Ich konnte redaktionell wirklich machen was ich wollte.
Später gab es dann u.a. an jedem Freitagnachmittag die Radio-Show „LEIF-ZEIT“ … und dann 2003 im Früh-Sommer startete VORSICHT LEIF. Angedacht war ein halbes Jahr … daraus wurde etwas länger.

nordPR: Bis heute mehr als 23 Jahre. Und wie wurde nun Ihre Figur HAUSMEISTER ERWIN geboren, die wir ja auch in einem Telefonstreich auf der geplanten Jubiläums-CD erleben können?
Leif Tennemann: HAUSMEISTER ERWIN entstand eher zufällig. Ich moderierte 1993 bei NDR 1 Radio MV einmal die Woche immer am Donnerstagmorgen die Frühsendung. Und als eine Art Stichwortgeber hatte ich damals eine sprechende Kaffeetasse … irgendwie nicht so richtig optimal … und eines Morgens machte ich die Studiotür auf und zu, naja und ein gewisser HAUSMEISTER ERWIN, von mir gespielt, betrat akustisch das Studio und fiel mir ins Wort.
Die Redaktion wusste nichts davon und es hätte richtig schief gehen können. Doch es funktionierte. So kam HAUSMEISTER ERWIN ins NDR-Radio. Erfunden hatte ich den HAUSMEISTER ERWIN aber bereits in der Wende und bei Auftritten auf der Bühne erscheinen lassen
Heute gibt abendfüllende Bühnenprogramme mit Hausmeister Erwin, Leif Tennemann oder beiden zusammen. Und ERWIN tritt auch bei Familienfeiern, Firmenfesten u.ä. auf.

nordPR: Sie haben u.a. Journalistik studiert, waren Chef Aktuelle Politik bei RMV (Radio Mecklenburg-Vorpommern) und sind nun Spaßmacher vom Dienst. Haben Sie da nicht manchmal Lust, doch wieder etwas Ernsthaftes zu machen?
Leif Tennemann: Also Spaß machen, wenn man es ernst nimmt, kann durchaus auch etwas sehr Ernsthaftes sein. Und ich leide nicht darunter, von vielen Leuten nur als der Spaßvogel am Telefon oder im Hausmeisterkittel wahrgenommen zu werden. Ich denke, dass dieses beschränkte Schubladendenken gerade hier in Deutschland recht verbreitet und einfach nur nervig ist.
Zumal ich mich ja in meiner Eigenschaft als Musik- und Buchverleger durchaus auch mit ganz anderen Dingen beschäftige. Also viele Leute wissen schon, dass ich „lesen und schreiben“ kann.

nordPR: Leif Tennemann, das ist der Moderator im Radio, auf den Bühnen, der Telefonspaßvogel und Hausmeister Erwin. Und dann noch der Verleger Leif Tennemann. Haben Sie zu viel Zeit, können Sie einfach nicht NEIN sagen oder kriegen Sie den Hals nicht voll?
LeifTennemann: Also wenn Sie damit aufs Geld anspielen. Mit so einem kleinen Verlag werden Sie ganz gewiss nicht reich! Und KI machte es zunehmend schwerer zu existieren, sehr viel schwerer.
Die Verlagsgründung 1999 geschah damals ja auch, um ein weiteres Standbein zu schaffen… als Freiberufler muss man ja weiter denken. Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit, das Gefühl ist unbeschreiblich, wenn du ein frisch gedrucktes Buch, eine gerade gepresste CD oder DVD in den Händen hälst. Und wenn den Leuten die Produkte des TENNEMANN Verlages gefallen, die wir vom Norden in die Welt schicken, dann ist das verdammt geil!

nordPR: Abschließende Frage. Leif Tennemann, ist das ein Künstlername oder heißen sie tatsächlich so?
Leif Tennemann: Leif Tennemann, dieser Name ist, Ehrenwort, kein Künstlername. Und dieser skandinavische Vorname Leif passt doch auch zu meinem Äußeren. Ich bin blond, blauäugig und schlank. Oder nicht?

Eine honorarfreie Übernahme und Veröffentlichung des Gesprächs ist jederzeit möglich bei Nennung der Quelle „nordPR“.

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