Laura Schönings Fragmente der Freiheit jetzt in Landeskunstsammlung

Greiswald / Schwerin (nordPR) – Historisches Archiv trifft digitale Gegenwart: Am Caspar-David-Friedrich-Institut in Greifswald erforscht Laura Schöning die Grenzen von Erinnerung und Technologie. Das Land Mecklenburg-Vorpommern kaufte jetzt ihre aktuelle Arbeit über DDR-Fluchtgeschichten für die Landeskunstsammlung.

Es beginnt mit einer Suche. Nicht im Museum, sondern im Digitalen. Ein Klick auf eBay-Kleinanzeigen, ein gebrauchtes Schlauchboot, „SB81 komplett 220€ VB“. Was für die einen wie eine belanglose alte Anzeige wirkt, wird für Laura Schöning zum Ausgangspunkt einer tiefen Recherche. Seit Sommer 2023 gräbt sie sich durch Schichten aus Stasi-Unterlagen, kombiniert Found Footage mit eigenen analogen Fotografien. Es ist eine künstlerische Expedition in die Grauzone zwischen dem dokumentierten Fakt und der heutigen Wahrnehmung.
Laura Schöning fragt sich, wer denn entscheide, was für die Nachwelt aufbewahrt wird? Wie entsteht überhaupt kollektive Erinnerung? Wie werden Erinnerungen durch technische Filter transformiert?

So entstand auch ihre Dynamik des Segeltuchs. Vier Meter Segeltuch. 150 Zentimeter Höhe. Ein massiver Siebdruck nimmt den Raum ein. Das Werk „DDR Schlauchboot SB81 komplett 220€ VB“ (2024) ist keine stille Malerei, es ist wie eine Performance aus Material und Licht. Ein Diaprojektor rattert, wirft Bilder an die Wand, während Tauwerk und Paddel die Szenerie erden.

Die Frage steht im Raum: Wie viel Inszenierung steckt in der Erinnerung? Laura Schöning bricht die Distanz. Die Flucht über die Ostsee präsentiert sie als haptisches Erlebnis. Es ist die Konfrontation mit der Materialität einer Vergangenheit, die plötzlich wieder greifbar und ungeschönt im Jetzt steht.
Laura Schöning sagte in einem Gespräch mit rügen aktuell am 1. April 2025: „Ich denke, es ist wichtig, dass in der künstlerischen Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Zukunft immer Räume für Fantasie entstehen können. Das zu schaffen, nehme ich mir vor. Deshalb kombiniere ich gefundenes Bildmaterial aus digitalen und analogen Fundus mit eigenen Aufnahmen zu experimentellen Archiven, in denen meine zeitgeschichtlichen Recherchen und meine Vorstellungen von Kunst in neuen Bildwelten zusammenkommen. So entstehen hoffentlich neue Perspektiven auf z.B. nahe Vergangenheit wie DDR-Fluchtgeschichte und ich wünsche mir, dass meine Arbeiten ungeahnte Gespräche auslösen können.“

Im Projekt „Days off“ (2023) ist der Dialogpartner kein Archiv, sondern eine Künstliche Intelligenz. Laura Schöning fragt die KI nach Ruhe, nach Freizeit, nach dem Moment des Innehaltens. Doch das Gespräch driftet ab. Es geht um Pflegearbeit, um die Verteilung von Lasten, um die pure Erschöpfung.

Dazu kombiniert sie das glatte, nicht-menschliche Bildmaterial der KI mit den privaten, ungefilterten Schnipseln ihres Smartphone-Archivs. Es ist ein Spiel mit Nähe und Distanz. Während die Künstlerin die Grenzen der Technologie auslotet, erforscht sie gleichzeitig ihre eigenen. Eine dynamische Beziehung, die zeigt, wie fließend die Übergänge zwischen digitaler Unterstützung und menschlicher Belastungsgrenze heute verlaufen.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass Geschichte und Gegenwart nicht getrennt voneinander existieren. Laura Schöning nutzt Material, um Brücken zu bauen zwischen Generationen, zwischen Mensch und Maschine, zwischen Ostsee und Seenplatte. Sie verhandelt Identität dort, wie sie entsteht: in der Reibung zwischen dem Dokumentarischen und dem Emotionalen. Es ist eine Form der Spurensuche ohne Stillstand.

Laura Schöning wurde 1998 in Bergen auf Rügen geboren. Nach einem Studium der Szenischen Künste an der Universität Hildesheim und einem Studienaufenthalt in Finnland lebt und arbeitet sie seit 2021 in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2022 absolviert sie das Studium der Bildenden Kunst (M.A.) am Caspar-David-Friedrich-Institut der Universität Greifswald. Von 2022 bis 2025 ist sie Mentee im 5. Durchgang von mentoringKUNST. 2023 nimmt sie an der Summer School in der FRIEDA 23 in Rostock teil. 2024 gewinnt sie den Rostocker Kunstpreis.

Sie verbindet Fotografie, Siebdruck und Installation mit digitaler Forschung. Sie untersucht Erinnerung, Archivierung und die Schnittstellen zwischen Mensch und Technik. Ihre Arbeiten sind Teil der Landeskunstsammlung Mecklenburg-Vorpommern.

(Nach einer Presseinformation der Landeskunstsammlung Mecklenburg-Vorpommern)

Eine honorarfreie Übernahme der Meldung ist jederzeit möglich bei Nennung der Quelle „nordPR“.


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