Greifswald (nordPR) – Der Pommersche Künstlerbund e.V. feiert sein 110-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass veranstaltet der Verein in Greifswald drei Jubiläumsausstellungen sowie eine Festveranstaltung im Pommerschen Landesmuseum. Hier der Überblick.
Der 1916 in Stettin gegründete Künstlerbund wurde 1979 in Düsseldorf wiederbelebt und ist seit 1996 in Greifswald angesiedelt. Bis heute verbindet der Verein Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Generationen, Stilrichtungen und Gattungen – von Malerei über Grafik und Fotografie bis hin zur Bildhauerei.
Tradition und Gegenwart im Pommerschen Künstlerbund
Jubiläumsausstellung in der Kleinen Rathausgalerie Greifswald
Kleine Rathausgalerie, Am Markt, Greifswald, bis 7. August 2026
Öffnungszeiten: Mo., Di., Do. 08:30 – 17:30 Uhr, Di. 08:30 – 18:30 Uhr, Fr 08:30 – 13:00 Uhr
Die Jubiläumsausstellung zeigt einen repräsentativen Querschnitt der Arbeiten von Mitgliedern des Pommerschen Künstlerbundes. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche künstlerische Positionen, Stilrichtungen und Techniken, die die Vielfalt des Vereins heute prägen. Die Ausstellung macht sichtbar, wie sich Tradition und Gegenwart im künstlerischen Schaffen der Mitglieder verbinden. Zugleich verweist sie auf die gemeinsame Auseinandersetzung mit der pommerschen Landschaft, der nordischen Kultur und aktuellen gesellschaftlichen Fragen.
Plastisches und Skulpturales – Stein, Holz, Ton
Ergänzung zur Jubiläumsausstellung im Rathaus
Schaufenster im Technischen Rathaus
Bis 30. Juni 2026
Deutsch-polnische Gemeinschaftsausstellung im Pommerschen Landesmuseum
Pommersches Landesmuseum, Lichthof, Rakower Straße 9, 17489 Greifswald
Bis 19. Juli 2026
Öffnungszeiten: Di. – So., 10.00 – 17.00 Uhr
Die Ausstellung präsentiert Werke, die im April 2026 im Rahmen eines deutsch-polnischen Kunstworkshops in Lubmin entstanden sind. Sie steht für den grenzüberschreitenden Dialog zwischen Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland und Polen. Die Zusammenarbeit mit dem Verband polnischer Bildender Künstler – Bezirk Stettin (ZPAP) knüpft an eine lange Tradition künstlerischer Freundschaften an. Gemeinsames Arbeiten, Austausch und gegenseitige Inspiration werden hier als Beitrag zum kulturellen Verständnis im Ostseeraum sichtbar
Der Mond und andere Gestirne – Hommage an Louis Douzette
Gemeinschaftsausstellung im PKB KunstLADEN
PKB KunstLADEN, Feldstraße 20, Greifswald
Bis 1. August 2026
Öffnungszeiten: Sa., 15-18 Uhr
Mit der Ausstellung „Der Mond und andere Gestirne“ würdigt der Pommersche Künstlerbund den Maler Louis Douzette, ein frühes Mitglied des Künstlerbundes. Douzette wurde 1834 in Triebsees geboren und verbrachte prägende Lebensstationen in Franzburg, Barth und Berlin. Bekannt wurde er vor allem durch seine stimmungsvollen Nacht- und Mondscheinbilder, in denen Licht, Landschaft und Atmosphäre eine besondere Rolle spielen. Die Gemeinschaftsausstellung greift dieses Thema auf und übersetzt es in zeitgenössische künstlerische Positionen.
Festveranstaltung
Tradition und Zukunft – 110 Jahre Pommerscher Künstlerbund
Pommersches Landesmuseum, Rakower Straße 9, 17489 Greifswald
Freitag, 26. Juni 2026
Beginn: 11.30 Uhr
Schirmherrschaften
• Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern
• Olgierd Geblewicz, Marschall der Woiwodschaft Westpommern
An der Veranstaltung nehmen u.a. teil: Bettina Martin, Kulturministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Michael Sack, Landrat des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Dr. Stefan Fassbinder, Oberbürgermeister des Hansestadt Greifswald
Anmeldung zur Festveranstaltung werden erbeten bis 23. Juni 2026 per E-Mail an
info@pommerscher-kuenstlerbund.de
Pommerscher Künstlerbund e.V.
Feldstraße 20, 17493 Greifswald
www.pommerscher-kuenstlerbund.de
Die Geschichte des Künstlerbundes
Der Pommersche Künstlerbund e.V. ist eine feste Größe im Kulturleben Mecklenburg-Vorpommerns. Besonders in Vorpommern prägt er das künstlerische Leben auf vielfältige Weise: durch die eigene Galerie in Greifswald, durch die jährlichen Gemeinschaftsausstellungen zu „Kunst:Offen“ im Schloss Ludwigsburg und zu „KUNST HEUTE“ in Sassnitz, durch Workshops und grenzüberschreitende Begegnungen – und nicht zuletzt durch das individuelle Wirken seiner Mitglieder.
Der Verein ist eine Gemeinschaft, die sich durch Vielfalt auszeichnet: Malerei, Grafik, Druckgrafik, Fotografie, Bildhauerei und Skulptur stehen nebeneinander; unterschiedliche Generationen, Handschriften und künstlerische Haltungen begegnen sich. Was sie verbindet, ist die Liebe zur Kunst und die künstlerische Auseinandersetzung mit der Landschaft und Kultur im Ostseeraum.
Dabei blickt der Pommersche Künstlerbund auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Gegründet wurde er am 26. August 1916 in Stettin – mitten im Ersten Weltkrieg. Vierzehn Künstler schlossen sich damals zusammen, um den bildenden Künstlerinnen und Künstlern Pommerns eine gemeinsame Stimme zu geben und bessere Möglichkeiten der Ausstellung und öffentlichen Wahrnehmung zu schaffen. Die Mitgliederzahl wuchs rasch. Die erste Ausstellung 1916/17 im Städtischen Museum Stettin markierte den Beginn einer regen Ausstellungstätigkeit und machte den Künstlerbund uu einem bedeutenden Akteur des pommerschen Kunstlebens.
Allerdings blieb auch der Pommersche Künstlerbund von den politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts nicht unberührt. In den 1930er Jahren geriet er zunehmend unter den Druck des nationalsozialistischen Regimes. Mehrere Mitglieder traten aus oder wurden aus politischen Gründen zum Austritt gezwungen. Moderne Positionen wurden zurückgedrängt, Anpassung bestimmte mehr und mehr den Verein. Spätestens ab 1945 bestanden keine organisatorischen Strukturen mehr.
Erst Jahrzehnte später wurde die Idee des Künstlerbundes neu aufgenommen. 1979 kam in der Bundesrepublik der Gedanke einer Neugründung auf, getragen von Künstlerinnen und Künstlern mit biografischen Wurzeln in Hinterpommern.
Nach der deutschen Wiedervereinigung verlagerte sich der Blick stärker nach Vorpommern und auf den Austausch zwischen Ost und West. Erste Kontakte nach Polen entstanden – verbunden mit dem Wunsch, über die Kunst kulturelle Brücken zu schlagen und zu Ausgleich, Verständigung und Versöhnung beizutragen.So entwickelte sich der Pommersche Künstlerbund zu einem eigenständigen, freien Künstlerverein, der immer mehr Künstlerinnen und Künstler insbesondere aus Mecklenburg-Vorpommern anzog.
Seit 1996 hat der Verein seinen Sitz in Greifswald.
Die Auseinandersetzung mit der pommerschen Landschaft bildet seit jeher eine verbindende Klammer im künstlerischen Schaffen vieler Mitglieder des Vereins. Diese künstlerische Beschäftigung mit Natur und Landschaft ist kunsthistorisch keineswegs rückwärtsgewandt. Sie bleibt — gerade angesichts ökologischer und gesellschaftlicher Fragestellungen — ein selbstverständlicher Bestandteil zeitgenössischer Kunst und ein wichtiger gemeinsamer Bezugspunkt unseres Vereins.
Zugleich haben sich Themen, Sujets und Ausdrucksformen erweitert. Neue Mitglieder bringen ihre Perspektiven, Fragestellungen und individuellen Positionen ein. So bleibt die Verbindung zur Region spürbar, während zugleich Raum besteht für Pluralität und individuelle künstlerische Wege.
(Nach einer Presseinformation des Pommerschen Künstlerbundes)
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