Queer im Museum – Queeres Leben in Mecklenburg-Vorpommern

Rostock (nordPR) – „Queer im Museum – Queeres Leben in Mecklenburg-Vorpommern“ ist der Titel einer aktuellen Ausstellung in der Rostocker Nikolaikirche. Erzählt wird queere Geschichte anhand von Geschichten mit Fotografien, Erinnerungsstücken und persönlichen Biografien aus der Sicht von Menschen, die oft übersehen wurden und werden.

Es sind Geschichten aus Mecklenburg-Vorpommern – Geschichten von Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell oder trans waren und deren Leben in Ausstellungen bisher kaum vorkam. Es einfach darum, einen Teil der Gesellschaft sichtbar zu machen, sagte Paul Langner vom Verein „rat + tat“ bei der Eröffnung. Seiner Meinung nach könne man heute davon ausgehen, dass etwa zehn Prozent queere Menschen in unserer Gesellschaft leben. Queere Menschen waren immer auch zum Beispiel Kulturschaffende. Nehmen wir Marlene Dietrich – nur wenige wissen, dass sie bisexuell war.

Die Ausstellung bietet bekannte Namen, vor allem aber zeigt sie viele Geschichten aus der Region. Sie fragt: Wer entscheidet eigentlich darüber, was Teil unserer Erinnerungskultur wird? Ein Buch, das selbst Literaturgeschichte geschrieben hat, wird in der Ausstellung gezeigt – „Fridolins heimliche Ehe“ – geschrieben vom Rostocker Autor Adolf Wilbrandt. Schon im 19. Jahrhundert erzählt er darin von der Liebe zwischen Männern und einem Mann, der sich sowohl als Mann als auch als Frau fühlt – ein Thema, das damals so gut wie gar nicht öffentlich verhandelt wurde. Das Buch gilt als der erste deutschsprachige queere Roman. Es war vor knapp 150 Jahren ein Bestseller und wurde wenige Jahre später sogar ins Englische übersetzt.

Mit einem Plädoyer für Sichtbarkeit, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt hat der Rostocker Propst Dirk Fey die Ausstellung „Queer im Museum“ in der Nikolaikirche Rostock eröffnet. In seinem Grußwort betonte der Propst die Bedeutung solcher Ausstellungen in einer Zeit gesellschaftlicher Verunsicherung und zunehmender Polarisierung. Er betonte: „Sichtbarkeit ist für viele queere Menschen wieder anstrengender geworden. Vorurteile treten deutlicher hervor, Räume für Vielfalt werden enger und der Ton öffentlicher Debatten wird rauer.“ Die Ausstellung hole queere Lebensrealitäten in das kollektive Gedächtnis und mitten in die Gesellschaft. Queeres Leben sei kein Widerspruch zur Schöpfung, sondern Ausdruck ihres Reichtums und ihrer Vielfalt, sagte der Propst und lud zur „Christopher Street Day“-Andacht am 17. Juli um 16 Uhr in die Rostocker Marienkirche ein. Dort wolle die Kirche erneut einen geistlichen Raum für Begegnung, Besinnung und gemeinsames Gebet anbieten.

Bis Ende Juli lädt die Ausstellung „Queer im Museum – Queeres Leben in Mecklenburg-Vorpommern“ in der Rostocker Nikolaikirche dazu ein, diese queere Geschichten und queere Geschichte in Mecklenburg-Vorpommern zu entdecken. Begleitet wird sie von Filmabenden, Stadtführungen und Gesprächen. Und vielleicht auch von der Erkenntnis, dass Erinnerungskultur vollständiger wird, wenn möglichst viele Geschichten erzählt werden.

(Nach einer Presseinformation von Rat + Tat Rostock und des evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg)

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